Überblick
Solvur ist eine SaaS-Plattform für die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GG) nach §42b EnWG. Sie richtet sich an Betreiber von PV-Anlagen, die Strom an Mieter oder Eigentümer im selben Gebäude liefern und dafür rechtssichere Abrechnungen erstellen müssen.
Die Plattform erfasst die Erzeugung der PV-Anlage und den Verbrauch jeder einzelnen Wohnung sekündlich, verdichtet diese Werte zu 15-Minuten-Intervallen und ermittelt daraus monatlich, wie viel Strom jeder Kunde anteilig aus der PV-Anlage bzw. aus dem Reststrom (Netzbezug) bezogen hat. Auf dieser Basis werden Rechnungen automatisch generiert und versendet.
Neues Gesetz: § 42c EnWG — Energy Sharing (seit 1. Juni 2026)
Was ist neu?
Bisher war die gemeinschaftliche Nutzung lokal erzeugten Stroms im Wesentlichen auf ein einziges Gebäude begrenzt (Mieterstrom nach § 42a EnWG, Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung nach § 42b EnWG). § 42c EnWG erweitert das Modell auf mehrere Liegenschaften innerhalb desselben Verteilnetzgebiets — der Strom darf also den Zähler des Netzbetreibers passieren und trotzdem als „gemeinsam genutzt" gelten.
Die Kernpunkte im Überblick
- Wer darf teilnehmen? Private Haushalte, öffentliche Einrichtungen und kleinere Unternehmen.
- Wie wird zugeordnet? Bilanziell im 15-Minuten-Takt — Erzeugung und Verbrauch werden viertelstündlich erfasst und rechnerisch aufgeteilt.
- Smart Meter Pflicht. Jede Verbrauchsstelle und jede Erzeugungsanlage braucht ein intelligentes Messsystem (iMSys).
- Zwei Verträge. § 42c verlangt einen Liefervertrag (mit Preis) und einen Vertrag über die gemeinsame Nutzung.
- Reststromlieferant bleibt. Reicht der gemeinschaftlich erzeugte Strom nicht aus, wird die Differenz weiter vom regulären Stromlieferanten bezogen — Energy Sharing ersetzt keinen Stromvertrag.
- Räumliche Grenze. Bis 31. Mai 2028 müssen Erzeugung und Verbrauch im selben Verteilnetzgebiet liegen. Ab 1. Juni 2028 auch in benachbarten Netzgebieten.
- Netzentgelte & Umlagen fallen auf den geteilten Strom weiterhin an — anders als z. B. in Österreich.
- Bundeseinheitliche Plattform. § 20b EnWG verpflichtet die Netzbetreiber, eine zentrale Internetplattform für Abwicklung und Bilanzierung aufzubauen. Inbetriebnahme: noch offen (Stand 06/2026).
Abgrenzung zu § 42a und § 42b EnWG
Klassisch
PV-Strom auf dem Dach, direkte Lieferung an Mieter im selben Gebäude. Vermieter wird zum Energieversorger (Pflichten nach EnWG).
Gem. Gebäudeversorgung
Seit 2024. Stark vereinfacht: kein Versorgerstatus, Restlieferung übernimmt der Mieter selbst. Begrenzt auf ein Gebäude / eine Liegenschaft.
NEU seit 06/2026
Mehrere Liegenschaften im selben Verteilnetzgebiet. Strom fließt durchs öffentliche Netz. Bilanzielle Zuordnung im 15-Min-Takt.
Was bedeutet das für Solvur-Nutzer?
Solvur ist heute primär für § 42b (Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung) ausgelegt — also die Abrechnung innerhalb eines Gebäudes. Die gesamte Datenarchitektur der Plattform (15-Min-Slots, immutable finalisierte Intervalle, bilanzielle Zuordnung nach Verbrauchsschlüssel, getrennter Ausweis von Solar- und Reststrom) entspricht aber exakt dem, was § 42c EnWG auch für Energy-Sharing-Gemeinschaften fordert.
Praktische Voraussetzungen für eine § 42c-Gemeinschaft
- Gründung einer Energiegemeinschaft (z. B. als Genossenschaft, Verein oder GbR) inkl. Satzung / Gesellschaftsvertrag.
- Liefervertrag zwischen Gemeinschaft und Teilnehmenden mit konkretem Strompreis pro kWh.
- Vertrag über die gemeinsame Nutzung nach § 42c EnWG (Rechte, Pflichten, Verteilschlüssel).
- Anmeldung der Gemeinschaft beim zuständigen Verteilnetzbetreiber.
- Installation von Smart Metern (iMSys) an jeder Erzeugungs- und Verbrauchsstelle.
- Reststromlieferant für jeden Teilnehmer weiterhin vorhalten.
Quellen & weiterführende Links
- Gesetzestext § 42c EnWG — gesetze-im-internet.de
- Bundeseinheitliche Plattform § 20b EnWG — gesetze-im-internet.de
- Verteilnetzbetreiber finden — vnbdigital.de
- Verbraucherzentrale: Energy Sharing 2026 — verbraucherzentrale.de
Rechtsrahmen — Zeitstrahl
Der gesetzliche Rahmen für lokale Stromnutzung in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt:
- 2017 — Mieterstromgesetz: § 42a EnWG, Förderung für Mieterstrom auf Wohngebäuden.
- Mai 2024 — Solarpaket I: Einführung der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (§ 42b EnWG). Stark vereinfacht: kein Versorgerstatus mehr nötig.
- Februar 2025 — Solarspitzengesetz: Steuerbarkeit, Direktvermarktung Kleinanlagen.
- 1. Juni 2026 — § 42c EnWG: Energy Sharing tritt in Kraft. Erstmals gebäudeübergreifende gemeinschaftliche Nutzung über das öffentliche Netz.
- 1. Juni 2028 — geplant: Ausweitung auf benachbarte Verteilnetzgebiete.
Rollen & Zugang
Es gibt drei Rollen:
- Betreiber — Anlagenbetreiber oder Hausverwaltung. Verwaltet Kunden, Anlagen, Preise, Rechnungen.
- Kunde — Mieter / Eigentümer einer Wohneinheit. Sieht im Portal eigene Verbrauchsdaten, Rechnungen und Belege.
- Admin — Solvur-interner Support, hat Plattform-weiten Zugriff für Wartung.
Anmeldung über /login. Kundenkonten werden anhand der hinterlegten E-Mail-Adresse automatisch der richtigen Wohneinheit zugeordnet.
Anlagen & Geräte
Eine Anlage (engl. plant) besteht aus:
- 1 PV-Erzeugungszähler (Produktion)
- 1 Netzanschlusszähler (Bezug / Einspeisung)
- N Unterzähler je Wohneinheit / Kunde (Verbrauch)
- optional: Speicher, Wärmepumpe, Wallbox
Jedes Gerät hat eine eindeutige device_id und sendet Messwerte über die Ingest-API (siehe unten) an Solvur.
Live-Daten & Ingest
Die Geräte (z. B. Shelly Pro, oder ein Node.js-Gateway vor Ort) senden Live-Werte typischerweise alle 1–5 Sekunden an POST /api/public/ingest. Jede Messung enthält:
device_id— eindeutige Geräte-IDts— ISO-Timestamp der Messungpower_w— momentane Leistung in Wattenergy_kwh_delta— Energie-Delta seit letztem Sample
Diese Live-Werte landen in der Tabelle live_readings (rollierender Puffer, max. 1 Stunde Vorhaltung) und werden per Supabase Realtime sofort an alle eingeloggten Clients gepusht. Die Anlagen-Detailseite zeigt damit aktuelle Produktion und „Letztes Signal" in Sekunden.
15-Minuten-Intervalle (immutable)
Alle 5 Minuten läuft serverseitig ein Job, der die Live-Readings zu festen 15-Minuten-Slots verdichtet (meter_intervals). Sobald ein Slot älter als 20 Minuten ist, wird er als is_finalized = true markiert und kann nicht mehr verändert werden.
Im Dashboard sehen Sie deshalb getrennt:
- Historische 15-Min-Werte (finalisiert, unveränderlich)
- Aktueller Live-Slot (noch offen, ändert sich bis zum nächsten Viertelstundenwechsel)
Zuordnungslogik §42b EnWG
Für jeden 15-Minuten-Slot gilt: die in dieser Viertelstunde erzeugte PV-Energie wird auf die Wohneinheiten anteilig nach deren tatsächlichem Verbrauch im selben Slot verteilt — gedeckelt durch die jeweilige Wohnung.
Pro 15-Min-Slot:
pv_erzeugt = z. B. 4,2 kWh
verbrauch_total = Σ Verbrauch aller Wohnungen
pv_anteil[i] = min(verbrauch[i],
pv_erzeugt * verbrauch[i] / verbrauch_total)
reststrom[i] = verbrauch[i] - pv_anteil[i]
netzeinspeisung = pv_erzeugt - Σ pv_anteil[i]Das Ergebnis: jede Wohneinheit erhält monatlich zwei Mengen: Mieterstrom (aus PV) und Reststrom (aus dem Netz). Beide werden auf der Rechnung getrennt ausgewiesen.
Abrechnung & Preise
Es gibt zwei Preis-Ebenen:
Nur Arbeitspreis
Mieter zahlen nur das, was sie verbrauchen — Mieterstrom-ct/kWh und Reststrom-ct/kWh. Kein Grundpreis.
Software-Grundpreis
Betreiber zahlen den Solvur-Plan-Preis je Monat. Das ist kein Strompreis, sondern die Nutzungsgebühr für die Plattform.
Die Netzeinspeisung (PV-Überschuss, der ins öffentliche Netz fließt) wird separat erfasst. Die Vergütung dafür gehört dem Anlagenbetreiber und erscheint in dessen Statistik unter Anlage → Monats-/Jahresstatistik.
Rechnungen & Versand
Am 1. jedes Monats läuft der Job /api/public/cron/generate-invoices und erstellt für jeden Kunden eine Rechnung für den Vormonat. Wenn beim Kunden „Automatisch versenden" aktiv ist, wird sie direkt per E-Mail zugestellt — sonst wartet sie als Entwurf im Betreiber-Portal.
- Rechnungen sind dauerhaft unter
/invoicesbzw. im Kundenportal abrufbar. - PDF wird serverseitig generiert und in Storage abgelegt.
- Versandprotokoll inkl. Zeitstempel und Empfänger wird gespeichert.
Datenschutz & Sicherheit
- Hosting in der EU, DSGVO-konform.
- Row-Level-Security: jeder Kunde sieht ausschließlich seine eigenen Daten.
- Verschlüsselung in transit (TLS) und at rest.
- Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) gemäß Art. 28 DSGVO — /avv.
Ingest-API für Gateways
Externe Node.js-Gateways oder Shelly-Geräte senden Live-Werte an folgenden Endpoint:
POST https://solvur.lovable.app/api/public/ingest
Content-Type: application/json
{
"device_id": "shelly-em-3p-abc123",
"samples": [
{ "ts": "2026-06-02T10:30:15.000Z",
"power_w": 4280, "energy_kwh_delta": 0.0018 },
{ "ts": "2026-06-02T10:30:20.000Z",
"power_w": 4310, "energy_kwh_delta": 0.0060 }
]
}Antwortcodes:
200 OK— Werte gespeichert.409 Conflict— Slot bereits finalisiert, Wert wird verworfen.401— fehlende oder ungültige Signatur.422— Validierungsfehler (z. B. unbekannte device_id).
x-solvur-signature). Secrets verwaltet der Betreiber unter Einstellungen → Geräte.FAQ
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