Dokumentation

So funktioniert Solvur — von Live-Daten bis Rechnung.

Diese Dokumentation erklärt das gesamte Datenmodell, die rechtliche Grundlage nach §42b EnWG, wie Live-Werte und 15-Minuten-Slots erfasst werden und wie daraus Rechnungen entstehen.

Quickstart

In 5 Schritten zur ersten Rechnung

1
Account anlegen
7 Tage kostenlos, keine Karte.
2
Firma & IBAN
Einstellungen → Firma & Rechnung.
3
Anlage anlegen
Adresse, PV-Leistung, Tarif.
4
Mieter & Zähler
CRM → Kunde + Zählernummer.
5
CSV importieren
Datenimport → Rechnung erzeugen.

Überblick

Solvur ist eine SaaS-Plattform für die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung (GG) nach §42b EnWG. Sie richtet sich an Betreiber von PV-Anlagen, die Strom an Mieter oder Eigentümer im selben Gebäude liefern und dafür rechtssichere Abrechnungen erstellen müssen.

Die Plattform erfasst die Erzeugung der PV-Anlage und den Verbrauch jeder einzelnen Wohnung sekündlich, verdichtet diese Werte zu 15-Minuten-Intervallen und ermittelt daraus monatlich, wie viel Strom jeder Kunde anteilig aus der PV-Anlage bzw. aus dem Reststrom (Netzbezug) bezogen hat. Auf dieser Basis werden Rechnungen automatisch generiert und versendet.

Wichtig: Solvur ersetzt nicht den Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber. Die Plattform nutzt die Messwerte der vorhandenen Smart-Meter / mME / iMSys.

Neues Gesetz: § 42c EnWG — Energy Sharing (seit 1. Juni 2026)

In Kraft seit dem 1. Juni 2026. Mit dem neuen § 42c EnWG ist Energy Sharing in Deutschland erstmals gesetzlich geregelt. Nachbarschaften dürfen sich zu Energiegemeinschaften zusammenschließen und lokal erzeugten Strom aus erneuerbaren Anlagen gemeinsam nutzen — über das öffentliche Stromnetz, also auch gebäudeübergreifend.

Was ist neu?

Bisher war die gemeinschaftliche Nutzung lokal erzeugten Stroms im Wesentlichen auf ein einziges Gebäude begrenzt (Mieterstrom nach § 42a EnWG, Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung nach § 42b EnWG). § 42c EnWG erweitert das Modell auf mehrere Liegenschaften innerhalb desselben Verteilnetzgebiets — der Strom darf also den Zähler des Netzbetreibers passieren und trotzdem als „gemeinsam genutzt" gelten.

Die Kernpunkte im Überblick

  • Wer darf teilnehmen? Private Haushalte, öffentliche Einrichtungen und kleinere Unternehmen.
  • Wie wird zugeordnet? Bilanziell im 15-Minuten-Takt — Erzeugung und Verbrauch werden viertelstündlich erfasst und rechnerisch aufgeteilt.
  • Smart Meter Pflicht. Jede Verbrauchsstelle und jede Erzeugungsanlage braucht ein intelligentes Messsystem (iMSys).
  • Zwei Verträge. § 42c verlangt einen Liefervertrag (mit Preis) und einen Vertrag über die gemeinsame Nutzung.
  • Reststromlieferant bleibt. Reicht der gemeinschaftlich erzeugte Strom nicht aus, wird die Differenz weiter vom regulären Stromlieferanten bezogen — Energy Sharing ersetzt keinen Stromvertrag.
  • Räumliche Grenze. Bis 31. Mai 2028 müssen Erzeugung und Verbrauch im selben Verteilnetzgebiet liegen. Ab 1. Juni 2028 auch in benachbarten Netzgebieten.
  • Netzentgelte & Umlagen fallen auf den geteilten Strom weiterhin an — anders als z. B. in Österreich.
  • Bundeseinheitliche Plattform. § 20b EnWG verpflichtet die Netzbetreiber, eine zentrale Internetplattform für Abwicklung und Bilanzierung aufzubauen. Inbetriebnahme: noch offen (Stand 06/2026).

Abgrenzung zu § 42a und § 42b EnWG

§ 42a Mieterstrom

Klassisch

PV-Strom auf dem Dach, direkte Lieferung an Mieter im selben Gebäude. Vermieter wird zum Energieversorger (Pflichten nach EnWG).

§ 42b GG

Gem. Gebäudeversorgung

Seit 2024. Stark vereinfacht: kein Versorgerstatus, Restlieferung übernimmt der Mieter selbst. Begrenzt auf ein Gebäude / eine Liegenschaft.

§ 42c Energy Sharing

NEU seit 06/2026

Mehrere Liegenschaften im selben Verteilnetzgebiet. Strom fließt durchs öffentliche Netz. Bilanzielle Zuordnung im 15-Min-Takt.

Was bedeutet das für Solvur-Nutzer?

Solvur ist heute primär für § 42b (Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung) ausgelegt — also die Abrechnung innerhalb eines Gebäudes. Die gesamte Datenarchitektur der Plattform (15-Min-Slots, immutable finalisierte Intervalle, bilanzielle Zuordnung nach Verbrauchsschlüssel, getrennter Ausweis von Solar- und Reststrom) entspricht aber exakt dem, was § 42c EnWG auch für Energy-Sharing-Gemeinschaften fordert.

Roadmap: Sobald die Netzbetreiber die nach § 20b EnWG vorgeschriebene bundeseinheitliche Plattform und die Marktkommunikations-Prozesse (MaKo) für § 42c bereitstellen, wird Solvur eine „Energiegemeinschaft"-Funktion anbieten, mit der mehrere Anlagen und Verbrauchsstellen über Gebäudegrenzen hinweg zusammengeschaltet werden können.

Praktische Voraussetzungen für eine § 42c-Gemeinschaft

  1. Gründung einer Energiegemeinschaft (z. B. als Genossenschaft, Verein oder GbR) inkl. Satzung / Gesellschaftsvertrag.
  2. Liefervertrag zwischen Gemeinschaft und Teilnehmenden mit konkretem Strompreis pro kWh.
  3. Vertrag über die gemeinsame Nutzung nach § 42c EnWG (Rechte, Pflichten, Verteilschlüssel).
  4. Anmeldung der Gemeinschaft beim zuständigen Verteilnetzbetreiber.
  5. Installation von Smart Metern (iMSys) an jeder Erzeugungs- und Verbrauchsstelle.
  6. Reststromlieferant für jeden Teilnehmer weiterhin vorhalten.

Quellen & weiterführende Links

Hinweis: Diese Zusammenfassung ersetzt keine Rechtsberatung. Insbesondere die konkrete Vertragsgestaltung, steuerliche Behandlung und die Anmeldung beim Netzbetreiber sollten mit einem Energierechts-Spezialisten geklärt werden.

Rechtsrahmen — Zeitstrahl

Der gesetzliche Rahmen für lokale Stromnutzung in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt:

  • 2017Mieterstromgesetz: § 42a EnWG, Förderung für Mieterstrom auf Wohngebäuden.
  • Mai 2024Solarpaket I: Einführung der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (§ 42b EnWG). Stark vereinfacht: kein Versorgerstatus mehr nötig.
  • Februar 2025Solarspitzengesetz: Steuerbarkeit, Direktvermarktung Kleinanlagen.
  • 1. Juni 2026§ 42c EnWG: Energy Sharing tritt in Kraft. Erstmals gebäudeübergreifende gemeinschaftliche Nutzung über das öffentliche Netz.
  • 1. Juni 2028 — geplant: Ausweitung auf benachbarte Verteilnetzgebiete.

Rollen & Zugang

Es gibt drei Rollen:

  • Betreiber — Anlagenbetreiber oder Hausverwaltung. Verwaltet Kunden, Anlagen, Preise, Rechnungen.
  • Kunde — Mieter / Eigentümer einer Wohneinheit. Sieht im Portal eigene Verbrauchsdaten, Rechnungen und Belege.
  • Admin — Solvur-interner Support, hat Plattform-weiten Zugriff für Wartung.

Anmeldung über /login. Kundenkonten werden anhand der hinterlegten E-Mail-Adresse automatisch der richtigen Wohneinheit zugeordnet.

Anlagen & Geräte

Eine Anlage (engl. plant) besteht aus:

  • 1 PV-Erzeugungszähler (Produktion)
  • 1 Netzanschlusszähler (Bezug / Einspeisung)
  • N Unterzähler je Wohneinheit / Kunde (Verbrauch)
  • optional: Speicher, Wärmepumpe, Wallbox

Jedes Gerät hat eine eindeutige device_id und sendet Messwerte über die Ingest-API (siehe unten) an Solvur.

Live-Daten & Ingest

Die Geräte (z. B. Shelly Pro, oder ein Node.js-Gateway vor Ort) senden Live-Werte typischerweise alle 1–5 Sekunden an POST /api/public/ingest. Jede Messung enthält:

  • device_id — eindeutige Geräte-ID
  • ts — ISO-Timestamp der Messung
  • power_w — momentane Leistung in Watt
  • energy_kwh_delta — Energie-Delta seit letztem Sample

Diese Live-Werte landen in der Tabelle live_readings (rollierender Puffer, max. 1 Stunde Vorhaltung) und werden per Supabase Realtime sofort an alle eingeloggten Clients gepusht. Die Anlagen-Detailseite zeigt damit aktuelle Produktion und „Letztes Signal" in Sekunden.

15-Minuten-Intervalle (immutable)

Alle 5 Minuten läuft serverseitig ein Job, der die Live-Readings zu festen 15-Minuten-Slots verdichtet (meter_intervals). Sobald ein Slot älter als 20 Minuten ist, wird er als is_finalized = true markiert und kann nicht mehr verändert werden.

Warum? Abrechnungsdaten dürfen rückwirkend nicht mehr verfälscht werden — weder versehentlich durch verspätet eintreffende Messwerte noch absichtlich. Die Ingest-API lehnt Schreibversuche auf finalisierte Slots mit HTTP 409 ab.

Im Dashboard sehen Sie deshalb getrennt:

  • Historische 15-Min-Werte (finalisiert, unveränderlich)
  • Aktueller Live-Slot (noch offen, ändert sich bis zum nächsten Viertelstundenwechsel)

Zuordnungslogik §42b EnWG

Für jeden 15-Minuten-Slot gilt: die in dieser Viertelstunde erzeugte PV-Energie wird auf die Wohneinheiten anteilig nach deren tatsächlichem Verbrauch im selben Slot verteilt — gedeckelt durch die jeweilige Wohnung.

Pro 15-Min-Slot:
  pv_erzeugt          = z. B. 4,2 kWh
  verbrauch_total     = Σ Verbrauch aller Wohnungen
  pv_anteil[i]        = min(verbrauch[i],
                            pv_erzeugt * verbrauch[i] / verbrauch_total)
  reststrom[i]        = verbrauch[i] - pv_anteil[i]
  netzeinspeisung     = pv_erzeugt - Σ pv_anteil[i]

Das Ergebnis: jede Wohneinheit erhält monatlich zwei Mengen: Mieterstrom (aus PV) und Reststrom (aus dem Netz). Beide werden auf der Rechnung getrennt ausgewiesen.

Abrechnung & Preise

Es gibt zwei Preis-Ebenen:

Kunden (Mieter)

Nur Arbeitspreis

Mieter zahlen nur das, was sie verbrauchen — Mieterstrom-ct/kWh und Reststrom-ct/kWh. Kein Grundpreis.

Betreiber (Software-Nutzer)

Software-Grundpreis

Betreiber zahlen den Solvur-Plan-Preis je Monat. Das ist kein Strompreis, sondern die Nutzungsgebühr für die Plattform.

Die Netzeinspeisung (PV-Überschuss, der ins öffentliche Netz fließt) wird separat erfasst. Die Vergütung dafür gehört dem Anlagenbetreiber und erscheint in dessen Statistik unter Anlage → Monats-/Jahresstatistik.

Rechnungen & Versand

Am 1. jedes Monats läuft der Job /api/public/cron/generate-invoices und erstellt für jeden Kunden eine Rechnung für den Vormonat. Wenn beim Kunden „Automatisch versenden" aktiv ist, wird sie direkt per E-Mail zugestellt — sonst wartet sie als Entwurf im Betreiber-Portal.

  • Rechnungen sind dauerhaft unter /invoices bzw. im Kundenportal abrufbar.
  • PDF wird serverseitig generiert und in Storage abgelegt.
  • Versandprotokoll inkl. Zeitstempel und Empfänger wird gespeichert.

Datenschutz & Sicherheit

  • Hosting in der EU, DSGVO-konform.
  • Row-Level-Security: jeder Kunde sieht ausschließlich seine eigenen Daten.
  • Verschlüsselung in transit (TLS) und at rest.
  • Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) gemäß Art. 28 DSGVO — /avv.

Ingest-API für Gateways

Externe Node.js-Gateways oder Shelly-Geräte senden Live-Werte an folgenden Endpoint:

POST https://solvur.lovable.app/api/public/ingest
Content-Type: application/json

{
  "device_id": "shelly-em-3p-abc123",
  "samples": [
    { "ts": "2026-06-02T10:30:15.000Z",
      "power_w": 4280, "energy_kwh_delta": 0.0018 },
    { "ts": "2026-06-02T10:30:20.000Z",
      "power_w": 4310, "energy_kwh_delta": 0.0060 }
  ]
}

Antwortcodes:

  • 200 OK — Werte gespeichert.
  • 409 Conflict — Slot bereits finalisiert, Wert wird verworfen.
  • 401 — fehlende oder ungültige Signatur.
  • 422 — Validierungsfehler (z. B. unbekannte device_id).
Die Anfragen müssen mit dem geräte-spezifischen HMAC-Secret signiert werden (Header x-solvur-signature). Secrets verwaltet der Betreiber unter Einstellungen → Geräte.

FAQ

Was passiert bei einem Ausfall des Gateways?
Live-Daten fehlen während des Ausfalls. Sobald das Gateway wieder online ist, kann es gepufferte Werte nachsenden — aber nur für noch nicht finalisierte Slots (jünger als 20 Minuten). Ältere Werte werden mit HTTP 409 abgewiesen, um die Integrität bereits abgerechneter Zeiträume zu wahren.
Kann ich Rechnungen nachträglich korrigieren?
Eine erzeugte Rechnung kann storniert und durch eine Korrekturrechnung ersetzt werden. Die Originalrechnung bleibt archiviert (revisionssicher).
Wie wird der Mieterstrompreis festgelegt?
Der Betreiber definiert ihn unter Einstellungen → Preise. Gesetzlich darf er den lokalen Grundversorger-Tarif um max. 10 % unterschreiten — das prüft Solvur automatisch.
Sehe ich als Kunde meine eigenen Live-Daten?
Ja, das Kundenportal zeigt eigene 15-Min-Werte, kumulierte Monats-/Jahressummen und alle bisherigen Rechnungen.

Noch Fragen?

Wir helfen bei der Inbetriebnahme, Integration eigener Gateways und der rechtlichen Prüfung Ihres Mieterstrom-Modells.

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